Ostwerk Augsburg - Pressebereich

21.10.

MARTIN JONDO (Reggae)

Jondo „Pure“

Eine Stimme und eine Gitarre. Das ist die Basiskonstellation, die so fest in der Geschichte der Musik unserer Zeit verankert ist wie das Amen in der Kirche. Howlin‘ Wolf und Muddy Waters, Bob Dylan und Johnny Cash, Tracy Chapman und Jack Johnson, sie alle haben mit in Poesie gefassten Songs die Welt bewegt und Millionen von Menschen tief berührt. Selbst Bob Marley hatte einst seinen „Redemption Song“ so ehrfurchtgebietend akustisch interpretiert, dass einem der Atem stockte. Das muss an dieser Stelle erwähnt werden, denn schließlich hat Jondo seine ersten Meriten im Reggae verdient. Nun legt der knapp 30- jährige Sänger und Gitarrist mit „Pure“ ein Akustikalbum vor, auf dem er mit seiner eindringlichen Stimme und seiner Akustikgitarre den Reggae ganz in den Dienst eines außergewöhnlichen Singer/Songwriter-Albums stellt. Es ist fürwahr ein Werk, wie es nicht alle Tage das Licht der Welt erblickt. Jondo vermittelt mit seinen zehn so schlichten wie dynamischen Liedern eine starke Authentizität und erzeugt ein spirituelles Kraftfeld, das nicht nur Liebhaber von Reggae anziehen wird. Zumal in Songs wie „Little Closer“, „Jah Children“ und „Good Girl“ Affinitäten zum Blues, Soul, Folk, ja sogar zum Pop durchscheinen. Mit „Pure“ kehrt der in Berlin aufgewachsene Musiker zu seinen Ursprüngen zurück. A portrait of the artist as a young underdog.

Bereits im Jahr 2001 veröffentlichte Martin Jondo Sprung, wie der Filius einer Südkoreanerin und eines Deutschen eigentlich heißt, seinen ersten eigenen Song, „Der Rebell“, der auf dem Sampler „Elemental Riddim“ erschien. Ein Jahr später nutzte er das Fahrwasser des Erfolgs von Gentleman, Deutschlands größtem Reggae-Star, um erstmals vor großem Publikum aufzutreten. Eigentlich als Merchandiser engagiert, konnte das Energiebündel bei seinen Cameo-Auftritten auf der „Journey To Jah“-Tour zeigen, was in ihm steckt. Es folgten zahlreiche Beiträge auf diversen Reggae-Samplern sowie Aufnahmen mit Silly Walks, Culcha Candela und Mellow Mark. Die deutsche Reggaeszene war auf das immense Talent von Martin Jondo aufmerksam geworden. Das Reggae-Magazin Riddim wählte ihn gar zum besten Newcomer des Jahres 2004. Dabei erschien erst 2005 seine erste EP, „Rainbow
Warrior“, deren Palette von klassischem Roots-Reggae
purem Akustiksound reichte. Produziert hatte Kraans de Lutin, der auch Martin Jondos Debütalbum „Echo & Smoke“ aus dem Jahr 2006 betreute, aus dem Songs für den Soundtrack zu Peter Torwarths Ruhrpott-Komödie „Goldene Zeiten“ verwendet wurden.
Eines seiner populärsten Stücke, „Jah Gringo“, gab einer weiteren EP ihren Titel. Obwohl sich Martin Jondo mit seiner Begleitband, den Ruffcats, auch als Livemusiker etablierte – neben dem Chiemsee Reggae Summer und dem Summerjam spielte er 2007 als special
guest auf Gentlemans „Another Intensity“-Tournee – trennte er sich Anfang 2008 von der Band, um sich auf sich selbst und sein Soloalbum zu konzentrieren.
Mit seinem Album „Pure“ blickt Jondo auf seine Jugendzeit zurück. Damals spielte er seine Songs noch in aller Abgeschiedenheit – heute bilden sie das Gros eines Albums, in dem sich die frühe Reife seines Protagonisten widerspiegelt. Zum Reggae und der damit verbundenen Lebensweise hatte ihn besonders ein Song animiert: „Under Mi Sleng Teng“ von Wayne
Smith. Seinerzeit hatte er sich mit seinen Freunden auf Streifzüge durch die Wälder Berlins begeben, sie hatten ihre eigenen Percussion-Instrumente gebaut und Jondo hatte immer häufiger zur Gitarre gegriffen. So sehr ihn der Rastafari-Glaube faszinierte, interessierte er sich gleichermaßen für die Schriften und Taten von Ghandi und Che Guevara, für Bibel und Koran, für Sufismus und die Bhagavad Gita. „Am Ende des Tages glaube ich an das Gute im Menschen“, resümiert Jondo, der sich in vielerlei Hinsicht als Autodidakt versteht. Das rebellische Feuer seiner Jugend mag heute nicht mehr so heftig lodern wie damals, dafür hat sich sein Erfahrungshorizont wesentlich erweitert und er schaut mit klarem Blick in die Zukunft. Er weiß, dass Kommunikation das wichtigste Werkzeug ist, um Menschen zu erreichen. Ganz gleich, ob er über falsche Freunde („Corrupted Minds“) oder Drogenabhängigkeit („Good Girl“) singt, die emotionale Misere von Migranten („Stranger In This Land“) oder existentielle Einsamkeit („Ten Million Miles“) thematisiert, die Songs von Jondo strahlen eine Sanftheit und Güte aus, die zweifellos Aufmerksamkeit und Bewunderung verdienen. Hier ist kein notorischer Weltverbesserer am Werk, sondern ein
Mensch, der aus den unterschiedlichsten Denkschulen seine ganz eigenen Schlüsse gezogen hat und mit seinen berührend intimen Songs dem Reggae ausgezeichnete Tiefenschärfe und frische Kontur verleiht. Come a little closer and listen up!

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