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Ostwerk Augsburg - Pressebereich
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05.12.
NÔZE (Paris/Get Physical)-LIVE
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Nôze, das sind Nicolas Sfintescu und sein Freund und Querulantenkollege Ezechiel Pailhes. Einander verbunden durch ihren beiderseitigen Hang zu Klavieren, Strohhüten und öffentlichen Oben-Ohne-Strips begingen Ezechiel und Nicolas seit 2004 bereits mehrere Verstöße gegen die guten Sitten in Form von exzessiver musikalischer Erheiterung und grobem Unfug.
Ein für sie bedeutender Wendepunkt war ihr Auftritt auf dem Sonar-Festival im Jahr 2005, bei dem das ahnungslose Publikum Zeuge einer Darbietung wurde, in der die Band ihre ganz eigene Form der Selbstdarstellung entfesselte. Seitdem haben Nôze es sich zum Markenzeichen gemacht, die Menschen weltweit mit ihren mittlerweile legendären Live-Shows zu begeistern und zu provozieren. Diese Auftritte stützen sich maßgeblich auf ihre altgedienten Korg MS20- und M1-Synthies, ein unwahrscheinlich großes Mischpult und, natürlich, ihre eigenen Vocals – die süße Harmonie wie anormale gutturale Laute mit ebenbürtiger Überzeugungskraft zum Ausdruck bringen. Nôze sind in der Tat ein absolut bemerkenswertes Team, das von Angesicht zu Angesicht mit seinem Publikum in der Lage ist, allein beim Abwurf eines Strohhutes jeden Club in eine ekstatische Schweißgrube zu verwandeln. 2006 wurden sie vom De:Bug Magazin zum drittbesten Live-Act der Welt gewählt. Sie hätten eigentlich erste werden sollen, aber, naja, man weiß ja, wie das läuft...
Trotzdem bedeutet Nôze mehr als nur wummernde Technobeats, tanzflächenfüllende Basslinien und ein schräger Typ, der jault und grunzt wie ein wildgewordener Tom Waits. Wirklich! Meine Damen und Herren, hiermit präsentieren wir Ihnen Songs On The Rocks, das dritte Album von Nôze und ohne jeden Zweifel ihre musikalisch vollkommenste und bis dato breitgefächertste Darbietung überhaupt.
Im letzten Jahr erfuhr der Ruf der Band dank ihres herzergreifenden Club-Hits „Remember Love“ (das zum Nummer-1-Technotrack des Jahres erklärt wurde, ganz zu schweigen von dem Pitchfork-Titel „beste Mitsing-Closer-Hymne aller Zeiten“) einen kometenhaften Aufstieg.
‘Remember Love’ erscheint auf Songs On The Rocks, das zweite Album seit ihrem experimentellen Debüt Craft Sounds And Voices (2005) und der Nachfolger zu How To Dance (2006), das die besagten energiegeladenen Live-Sets und die clublastigere Seite des Nôze-Sounds reflektierte. In Songs On The Rocks führen Nôze die ganze Bandbreite ihrer Talente vor: Es ist ein wesentlich songbasierteres und instrumental sehr viel reicheres Werk als seine Vorgänger – dabei arbeiteten Nicolas und Ezechiel wie immer mit einer Reihe unterschiedlicher Musiker, besonders mit Thibaut Frisoni (an der Gitarre) und Alexandre Authelain (Clarinette und Saxophon) –, ohne jedoch auf die Untermauerung durch astrein produzierte elektronische Grooves zu verzichten, die nie den Dancefloor aus dem Blick verlieren.
Nicolas und Ezechiel schrieben die meisten ihrer Songs von den Klavierparts ausgehend und bauten um sie herum die restlichen harmonischen Strukturen auf. Auf den wuchtigen, paukenschweren Alben-Opener ‘L’Inconnu Du Placard’ folgend offenbaren Nôze ein waschechtes Liebeslied, ihren allerersten Song auf Französisch, ‘Danse Avec Moi’ – und mit der ihnen typischen Perversion haben sie dafür ausgerechnet eine amerikanische Sängerin verpflichtet, die einzigartige Dani Siciliano, die die Vocals beisteuert. Dani duettiert hier äußerst liebreizend mit dem französischen Sänger David Lafore (der auch die Lyrics schrieb) über einem treibenden Drumtattoo, einer lebhaften Bassline, einer murmelnden Harfe und aufwendigen Streicherarrangements. Und wie so oft bei Nôze steht das Klavier an vorderster Front und sorgt nicht nur für eingängige Melodien und Harmonien, sondern auch für den Rhythmus. Die für das Album charakteristische karnevaleske Atmosphäre zieht sich weiter hinein in den Track ‘Little Bug’, der sich mit seinen Boogie-Woogie-Klavierakkorden, betrunkenen Blashörnern und ächzenden Klarinetten ein bisschen nach 1930er-Bar-Schlager anfühlt. Für ‘Childhood Blues’ schlägt Nico sein unnachahmbar bluesiges „Bell- und Grunz“-Register an, kombiniert mit schallenden Gitarrenakkorden, subtilen elektronischen Elementen und aufgeblähten Blechbläsern. ’You Have To Dance’ basiert auf der Art von sprunghaftem Technorhythmus, den man noch von den Nôze-Clubrennern ‘Kitchen’ und ‘Love Affair’ in Erinnerung hat, und in dem uns das Sängerduo daran erinnert, dass wir „tanzen müssen, tanzen müssen, trinken müssen, die ganze Nacht trinken müssen, um nicht zu vergessen, dass wir alle Sterne sind“. ‘Slum Girl’ ist in seiner ganzen Zielsetzung und Musikalität cineastisch angelegt, mit Marschmusik-Snares und herabstürzenden Orchesterfanfaren, abgesetzt von sich hineinschleichenden Gitarrenfragmenten, Klavierarpeggios und Nicos kehliger Stimme. ‘Ethiopo’ ist eine unwiderstehliche Mischung aus Schlagzeug und einer zerhacktstückelten Flöte – der perfekte Auftakt zu dem Track, der eigentlich gar keiner Einleitung bedürfte – ‘Remember Love’, mit seinem klassischen Chicago-House-Piano-Riff, seinen bittersüßen Lyrics und seinem wummernden Technomoment.
Das Album schließt mit einer Reinterpretation des Nôze-Erkennungssongs ‘Kitchen’, in seiner ursprünglichen Form eine durchgeknallte, exaltierte und ungeniert notgeile Mixtur aus ultratiefen Technobässen, wilden Elektroschnörkeln und Nicos bis dato ausgelassenster stimmlicher Performance. Hier aber wird ‘Kitchen’ neu erdacht als eine sanfte, nachdenkliche Klavierballade mit opulenten Stimmharmonien, die die Worte „I’ll make you cum, all night long” in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.
In Songs On The Rocks regiert der für Nôze so typische Sinn für das, was sich nicht gehört, und dieser schafft insgesamt ein krönendes Album, das genauso bemerkenswert ist für seinen Humor, seine Pietätslosigkeit und Liebe zum Leben wie auch für seine enorme musikalische Ausgereiftheit und seine rasiermesserscharfen Produktionen. In einer Welt, die sich selbst oft zu ernst nimmt, erinnern uns Nôze wieder einmal an den Wert des Skurrilen.
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